Problemfall: Neodym

Neodym (Nd, Ordnungszahl: 60) gehört zu den so genannten "seltenen Erden". Neodym wurde erstmals vom österreichischen Chemiker Carl Auer von Welsbach isoliert. Auer von Welsbach gehört zu den Mitbegründern des bekannten Leuchtmittelherstellers OSRAM und erfand den Zündstein, der noch heute die Grundlage der Einweg-Feuerzeuge ist. Seine Entwicklungen und sein Schaffen kann im Auer von Welsbach-Museum in Althofen (Kärnten, Österreich) besichtigt werden: http://www.auer-von-welsbach-museum.at/de/

Die meisten derzeit bekannten und erschlossenen Vorkommen befinden sich in China. Neodym und andere seltene Erden sind jedoch erforderlich für die Herstellung von moderner Kommunikationselektronik, von leistungsfähigen Mini-Motoren, für Akkuschrauber und nicht zuletzt von Windkraftgeneratoren. Magnete, die aus Eisen-Neodym-Bor gefertigt werden, erreichen eine Remanenz von weit über 1 T und können eine Koerzitivfeldstärke von fast 2800 kA/m haben. Mit derartig starken Magneten können leistungsfähige Generatoren gebaut werden, die dennoch extrem klein und leicht sind. Diese Anforderungen stellen moderne Windkraftwerke.

Die Gewinnung von Neodym ist mit großen Umweltbeeinträchtigungen verbunden. So werden unter anderem Uran und giftiges Thorium freigesetzt. Die in China gängigen Standards im Bergbau entsprechen nicht denen Europas. Das ruft Kritiker von Windkraftanlagen mit Neodymgeneratoren auf den Plan und führt zu weiteren Widerstand gegen regenerative Energietechnologien. Dies ist allerdings erheblich zu kurz gesprungen, denn so gut wie kein Widerstand regt sich gegen moderne Akku-Staubsauger und gegen gefärbtes Glas, bei dessen Herstellung Neodym seit Jahrzehnten eine große Rolle spielt.

Es sei allerdings weiterhin erwähnt, dass auch die Förderbedingungen für Kohle in China nicht den europäischen Standards entsprechen und natürlich auch beim Abbau von Uran, was für den Betrieb von Kernkraftwerken benötigt wird, ganz erhebliche Umweltschäden in Kauf genommen werden. Es wäre also unfair, allein das Argument des umweltschädlichen Neodym-Abbaus ins Feld zu führen und dafür den weiteren Betrieb von Kernkraftwerken und die Nutzung fossiler Brennstoffe mit drastischen Konsequenzen für Mensch und Umwelt zu akzeptieren. Windkraftanlagen sind also auch beim Einsatz von Generatoren mit Neodym eine insgesamt umweltfreundlichere Alternative zur Erzeugung elektrischen Stroms.

(rs/02-2012)