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Umweltschutz und Energietechnik

Kein Zweifel: Der Energiebedarf unserer Zivilisation und der Umweltschutz sind nicht immer in einem praktischen und schon gar nicht moralischen Einklang zu bringen. Es sind dabei nicht nur die spektakulären Unfälle wie zum Beispiel in den Kernkraftwerken „Three-Mile-Island“, Tschernobyl und Fukushima oder verschiedene Tankerunfälle oder die Explosion auf der Ölförderplattform „Deepwater Horizon“. Die Liste ist enorm lang und die Höhe der daraus entstandenen Schäden monströs, nicht nur monetär!

Tatsache ist aber auch: Unsere Zivilisation ist energiehungrig! Der Wohlstand in Teilen der Welt hängt maßgeblich von der Verfügbarkeit von Energie ab, sei es für die Mobilität, für die Produktion oder das alltägliche Leben. Das betrifft nicht nur die so genannten „Industriestaaten“ in Europa und in den USA, sondern auch die Schwellenländer, die massiv aufholen und dennoch erst am Anfang ihrer sozialen Entwicklung stehen. Besonders Indien und China, die bevölkerungsstärksten Staaten der Welt, wollen mit dem Lebensstil in den Industriestaaten gleichziehen oder diesen sogar übertreffen. Das sind nur natürliche Bestrebungen der Menschheit und sie können nur in den jeweiligen Staaten gesteuert werden.

Energie ist zudem ein extrem wichtiges Wirtschaftsgut. Die Energieträger Öl, Gas, Kohle und Uran werden an Börsen gehandelt. Die Preise werden über Verknappung oder Überschuss sowie durch politische Ereignisse beeinflusst. Die Preise werden aber auch als Instrument globalpolitischer Einflussnahme eingesetzt. Energie ist also auch ein Ausdruck von Macht. Wer die Energieträger kontrolliert, hat einen großen Einfluss auf die globale Politik und das Finanzsystem.

„Wozu (Kern-)Kraftwerke? Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose!“ - Das war Ende der 70er/Anfang der 80er-Jahre ein Slogan der Kernkraftgegner, der – wie auch viele der damals Beteiligten heute einräumen – extrem naiv formuliert war und dem Interesse des Protestes wenig dienlich war. Es versteht sich von selbst, dass nur die wenigsten derer, die diesen Slogan ausriefen, je daran dachten, auf ihre eigene Stereoanlage, elektrisches Licht oder einen Fernsehapparat zu verzichten. Ähnliche Parolen hört man heute sogar gegen regenerative Energietechnologien. In der Tat: Es gibt immer Kritikpunkte, immer einen Grund, etwas abzulehnen. Nicht immer sind es objektive oder seriöse Gründe und nicht selten verbergen sich Effekte einer ideologischen Gruppendynamik hinter der Ablehnung.

Dem geneigten Leser wird an dieser Stelle etwas aufgefallen sein: Der Beitrag trägt die Überschrift „Umweltschutz und Energietechnik“, doch der Umweltschutz wurde in diesem Text bisher noch in keinem einzigen Wort erwähnt. Ebenso spät wie der Begriff in diesem Artikel erwähnt wurde, wurde das Thema „Umweltschutz“ in der Energiewirtschaft erkannt und ernst genommen. In der Vergangenheit und auch in der Gegenwart nach wie vor dominierend, standen die eingangs erwähnten Motive, welche die Nutzung von Energie antreiben. „Umweltschutz“ ist für die Energiewirtschaft oft eine PR-Phrase und vor allem ein Kostenfaktor. Mit dem Schutz der Umwelt wird kein Geld verdient. Das änderte sich erst mit Zwangsmaßnahmen wie die Einführung von CO2-Zertifikaten. Diese änderten die Denkweise. Auch die Menschen werden sensibler und drängen auf die Umwelt schonende Produkte, einschließlich Energie. Tatsächlich ist in den letzten Jahrzehnten auch viel passiert:

  • Kraftwerke arbeiten mit geringeren Emissionen

  • Kraftfahrzeuge sind sparsamer im Verbrauch

  • Lampen und Elektrogeräte sind effektiver geworden (Das Thema „Energiesparlampen“ sei an dieser Stelle nicht erörtert, denn der geringere Energieumsatz im Betrieb fordert einen höheren Energiebedarf in der Herstellung und es muss über die Verwendung von Schwermetallen wie Quecksilber kritisch diskutiert werden!)

  • Photovoltaik, Solarthermie, Wasser- und Windkraft etc. werden auch von privaten Anlagenbetreibern nachgefragt

  • Elektromobilität ist erwachsen geworden. Es gibt Limousinen und sogar Sportwagen. Darüber hinaus wird die Elektromobilität auch für den Güterverkehr in Betracht gezogen.

All das reicht aber bei Weitem nicht! - Gletscher schmelzen in einem rekordverdächtigen Tempo ab, das Wetter wird immer extremer und die Flüsse treten immer öfter mit verheerenden Wirkungen über die Ufer. Das weltweite Klima erwärmt sich zunehmend. Wärmere Luftmassen bedeuten aber auch größere Speicherfähigkeit von Wasser in der Luft. Dieses – über die Ozeane aufgenommene – Wasser kondensiert beim Auftreffen auf kalte Luftmassen und geht in der Form sintflutartiger Niederschläge zu Boden.

Aus genannten Gründen gibt es natürlich großes Interesse, den Einfluss der Energietechnik (einschließlich Mobilität) auf die Umwelt in Frage zu stellen. „Es gäbe keine Klimaerwärmung, sondern nur natürliche Schwankungen!“ Darüber hinaus werden die regenerativen Energietechnologien in Frage gestellt. So werden Windkraftanlagen kritisiert, vor allem wegen der Schlagschattenbildung, der Geräuschentwicklung und einem möglichen Risiko für Vögel. Auf der anderen Seite werden kilometerweit sichtbare Dampfschwaden der gewaltigen Naturzug-Nasskühltürme kommentarlos toleriert.

Der Naturschutz sollte Partner der Energiewirtschaft werden und die Kenntnisse über „das Funktionieren der Welt“ sowie die Erfahrungen auf wissenschaftlicher Ebene in die Entwicklung moderner Technologien einbringen können. Das passiert bereits, jedoch noch lange nicht im ausreichendem Maß. Es werden Fortschritte gemacht hinsichtlich der Energieeffizienz, jedoch werden diese durch intensiveren Energiekonsum oft wieder kompensiert. Es entsteht ein so genannter Rebound-Effekt.

Die Wurzel allen Übels ist und bleibt der Mensch! Der Mensch strebt nach Luxus und Macht, nach Reichtum und Komfort. Die Umwelt wird wichtig, wenn es um die eigenen Interessen wie zum Beispiel einen „Urlaub im Grünen“ geht. Das bringt ambitionierte Naturschützer auf dem Plan, die ebenso oft, nur mit Scheuklappen sehend, nahezu militant alles ablehnen, was in irgendeiner Form technisch wirkt. In der Tat werden regenerative Energietechnologien fast noch massiver kritisiert als konventionelle Kraftwerke. Sehr häufig ist Unwissenheit und Fehlinformation dafür die Ursache, auch ein falsch verstandenes „Wir-Gefühl“ ist zu beobachten. Allerdings sollten Ingenieure und vor allem Politiker deswegen nicht grundsätzlich die Augen und Ohren vor den Stimmen der Naturschützer verschließen. Viele Biologen, Botaniker und Ökologen liefern konstruktive Kritik und stoßen auf Ignoranz. Dabei werden große Chancen verspielt, eine tatsächlich umweltfreundliche Energietechnologie zu etablieren.

Eines darf jedoch nie verwechselt werden: Energietechnik ist zwar der Motor einer jeden modernen Kultur und Zivilisation, jedoch ist der Feind der Natur der Mensch als solcher, dessen materielle Gier und Ignoranz gegenüber der Umwelt. Solange das teure Möbelstück aus Teak-Holz eine größere Bedeutung hat als der tropische Regenwald, solange Monokulturen aus Profitinteressen eine ausgewogene Landwirtschaft verhindern, solange wird kein Elektroauto und keine Photovoltaikanlage „die Welt retten“. Allerdings wird der Verzicht darauf, fossile und nukleare Energieträger baldmöglichst durch regenerative Energietechnik zu ersetzen ganz sicher zur irreparablen Zerstörung dieser Welt für unsere Kultur führen. Auf den Lebenszyklus der Erde betrachtet, ist diese Zerstörung wie ein Schnupfen, der diesen Planeten befällt. Die Erde wird sich selbst regenerieren, wenn es den Menschen als biologische Gattung längst nicht mehr geben wird und in ca. vier Milliarden Jahren wird sie von der Sonne verschluckt. Der Weg des Planeten ist vorgezeichnet und der Mensch lediglich eine „kurze Episode“.

(rs/01-2016)