Kelag forciert Elektromobilität

Das südliche Bundesland Kärnten tritt erneut als Wegbereiter der Elektromobilität in Erscheinung. Wenige Jahre nach den erfolgreichen Projekten „Lebensland Kärnten“ und dem fünfmal ausgerichteten NewMobilityForum, ein internationales Symposium für Elektromobilität (2009 bis 2013) setzt nun der Kärntner Energieversorger – KELAG – neue Akzente. Neben dem weiteren Ausbau der eigenen Ladeinfrastruktur setzt die KELAG auf direkte Information und Beratung.

Am Modell einer KELAG-Ladesäle können sich Interessenten die Ladetechnologien erläutern lassen.
Am Modell einer KELAG-Ladesäle können sich Interessenten die Ladetechnologien erläutern lassen.

Als Vorbild vorweg gehen

Manfred Freitag, Vorstand der KELAG, sieht die Zukunft der Mobilität elektrisch: „Mit dem elektrischen Antrieb können wir erneuerbare Energie auch im Straßenverkehr nutzen. Unser Unternehmen erzeugt Strom ausschließlich aus Wasserkraft und Ökoenergie. Wir liefern unseren Kunden 100% grünen Strom, auch für ihre E-Fahrzeuge. Wir erwarten, dass die Zahl der E-Autos in den kommenden Jahren wegen der größeren Reichweiten und des wachsenden Modellangebots deutlich steigen wird. Die KELAG versteht sich in diesem Bereich als unabhängiger und herstellerneutraler Partner ihrer Kunden.

Auch die KELAG selbst setzt intern auf elektrische Mobilität. Aktuell (viertes Quartal 2018) werden rund 50 Elektroautos im KELAG-Fuhrpark betrieben. In den kommenden vier Jahren sollen es 150 Fahrzeuge werden. Die Auslastung der Fahrzeuge ist groß: So legte die stetig wachsende KELAG-E-Fahrzeug-Flotte bereits 300.000 km zurück.

Das E-Mobilitäts-Kompetenzzentrum bietet einen modernen Schulungsraum für Fortbildungsveranstaltungen an.
Das E-Mobilitäts-Kompetenzzentrum bietet einen modernen Schulungsraum für Fortbildungsveranstaltungen an.

Beeindruckende Ladeinfrastruktur

Schon vor einigen Jahren gelang es dem kleinen österreichischen Bundesland Kärnten, sich mit einer nahezu flächendeckenden öffentlichen Ladeinfrastruktur an einen europäischen Spitzenplatz zu schieben. Damals dominierten zumeist Ladesäulen mit Schutzkontakt- und Typ2-Steckern. Heute installiert die KELAG moderne Ladepunkte, die auch den Ansprüchen moderner Fahrzeuge gerecht werden. Bestehende KELAG-Ladepunkte unterstützen die drei wichtigsten Ladestandards Typ 2 (max. 43 kW AC), CCS (Combined Charging System, max. 50 kW DC) und CHAdeMO (max. 50 kW DC) mit Ladeleistungen von bis zu 50 kW. In sehr naher Zukunft werden an ausgewählten Standorten Ladeleistungen mit bis zu 150 kW verfügbar sein. Auch das ist aber noch längst nicht das Ende der Fahnenstange: „Die nächste Generation von E-Fahrzeugen wird leistungsstärkere Batterien und höhere Reichweiten haben und mit bis zu 350 kW geladen werden. Dieser Entwicklung werden wir mit unserer Lade-Infrastruktur Rechnung tragen“, erklärt Dr. Bernd Neuner, Leiter des Geschäftsfeldes E-Mobilität der KELAG.

E-Mobilität ein echter Fortschritt?

Kaum andere Themen werden so kontrovers und zu einem großen Teil ohne Hintergrundwissen diskutiert wie die regenerative Energietechnik und die Elektromobilität. Natürlich sind beides Technologien, die starke disruptive Wirkungen auf die Märkte und die Existenz etablierter Industrie- und Wirtschaftszweige haben werden. Allein die Auswirkungen auf die Mineralölbranche wären – würde von heute auf morgen der gesamte Straßenverkehr rein elektrisch betrieben – dramatische Folgen für die gesamte Weltwirtschaft haben. Hier ist nicht allein der Gewinnausfall in der Kraftstoffindustrie zu nennen, sondern auch der Einfluss auf die chemische Industrie und die Preise für heute gängige Verbrauchsgüter allgemein. Dies soll keinesfalls ein Plädoyer gegen eine Energiewende sein. Ganz im Gegenteil zeigen die Ereignisse der letzten Jahre, dass gravierende Auswirkungen auf das Klima nicht mehr zu verhindern sind. Dies ist auch dann der Fall, wenn die eher schwach formulierten und dennoch umstrittenen Klimaziele tatsächlich global erreicht würden.

Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: „Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt!“ Und doch ist seit Jahren eine wilde „Henne-Ei-Kontroverse“ in den Medien und in der Öffentlichkeit zu vernehmen: „Ohne Ladeinfrastrukturen ist die Entwicklung von Elektroautos nicht sinnvoll!“ – So hieß es einst. Heute gibt es ausgereifte Ladetechnologien und große Fortschritte im Ausbau der Infrastruktur. Nun wird eine andere Killerphrase postuliert: „Elektroautos haben keinen reduzierenden Einfluss auf die CO2-Emissionen. Schließlich emittiert auch die Stromerzeugung Treibhausgase.“ Das mag (noch) stimmen, aber der Anteil regenerativer Energieerzeugung steigt und kann mithilfe der Elektromobilität noch größere Anteile in der Erzeugung erlangen. Elektrofahrzeuge sind von ihrer Leistungsaufnahme einem Einfamilienhaus ähnlich, mit dem Unterschied, dass ihre Ladeaktivität technisch gut steuerbar ist. Man darf den Fokus der Betrachtung nicht auf die Schnellladungen an Autobahnen setzen, sondern muss die gewöhnlichen Standzeiten eines Fahrzeuges allgemein betrachten. Hier werden für eine ständige Verfügbarkeit keinesfalls die heute realistischen 50 kW bzw. sogar 150 kW benötigt, die in der Tat ein Anschlussnetz in einem Wohngebiet belasten können. Stattdessen schont eine langsame Ladung nicht nur die Lebensdauer der Batterie, sondern kann auch durch zeitliche Steuerung der Ladeleistung die Lastkurve des Stromnetzes zu glätten helfen. Die bereits existierenden Erzeugerkapazitäten werden erheblich effizienter genutzt, ohne weitere Kraftwerke zu erfordern. Flache Lastkurven bedeuten weniger Bedarf an Spitzenlastkraftwerken und damit einen Beitrag zum Umweltschutz.

Die Antriebsleistung eines Elektrofahrzeuges ist in der Tat auf dem Weg, 100% treibhausgasneutral zu werden, wenn dies durch den Ausbau regenerativer Energien bei den großen Stromversorgern und mit eigener privater Erzeugung – beispielsweise PV-Carports – unterstützt wird. Lediglich die Frage nach der Größe eines Fahrzeuges, in das in der Regel meist nur ein Sitzplatz besetzt wird, kann auch die Elektromobilität nicht beantworten. Hier müssen nicht gegen die Elektromobilität, sondern parallel zu deren Entwicklung Konzepte für multimodale Mobilität erdacht werden. Auch hier gilt aber, dass die lobbylastige Diskussion nicht zielführend sein kann und auch im Hinblick auf die Entwicklung von Wirtschaft und Besiedelungsentwicklung nicht sein darf.

Die Freiheit des Einzelnen darf nicht durch Einschränkungen in der Mobilität ausgehebelt werden. Das Bedeutet, dass ein Recht, grundsätzlich zu jeder Zeit und Stunde jeden Ort erreichen zu können und zu dürfen, nicht zu beschneiden ist. Ein Zwang, ausschließlich öffentliche Verkehrsmittel zu fordern, bedeutet jedoch genau dieses, denn „Öffis“ sind nicht in jeder Region wirtschaftlich anzubieten. Umstiegszeiten rauben Lebenszeit – übrigens natürlich ebenso wie Staus.

Es wird schnell den Einwurf geben müssen, dass gerade die „Masse“ das Problem darstelle und verstopfte Straßen sowie Emissionen verursachen würde. Wo sind Lösungen zu finden? Soll der Individualverkehr unterbunden werden und nur „Ausnahmen“ möglich sein? Dies würde unweigerlich zu einer Elitenbildung und damit zu deutlichem Missmut in der Bevölkerung, zumindest in den betroffenen Schichten führen. Eine weitere Bevölkerungskonzentration in Ballungsgebieten fördert zwar „kurze Wege“ und macht öffentliche Verkehrsmittel innerhalb dieser Regionen wirtschaftlich, doch steigen damit auch die Lebenshaltungskosten insbesondere für das „Wohnen“. Es ist offensichtlich: Die wahren Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sind extrem komplex. Sie sind nicht allein durch eine bestimmte Antriebsart zu lösen. Sie erfordern gut durchdachte und – über die Mobilität und Energietechnik hinaus – sehr weit reichende Konzepte. Elektromobilität löst EIN Problem: Die Emissionen der Fahrzeuge. Eine Energietransformation hin zu 100% CO2-Neutral ergänzt dies.

Elektromobilität – das kann man klar erkennen und wer es selbst feststellen möchte, kann es auch selbst erproben – ist den Kinderschuhen entwachsen. Die Gelegenheit dazu bietet sich in Informationspunkten wie beispielsweise dem Kompetenzzentrum E-Mobilität der KELAG in der Klagenfurter Kirchengasse direkt an der Kreuzung zum Südring.

Das KELAG-Kompetenzzentrum verfügt über die aktuell wichtigsten Modelle, die nach einer Anmeldung von Interessenten getestet werden können.
Das KELAG-Kompetenzzentrum verfügt über die aktuell wichtigsten Modelle, die nach einer Anmeldung von Interessenten getestet werden können.

Über die KELAG

Die KELAG, Die Kärntner Elektrizitäts Aktiengesellschaft, befindet sich zu 51% im Eigentum des Landes Kärnten. Die weiteren 49% werden von der deutschen RWE-Tochter Innogy gehalten. Die eigene Stromerzeugung ist bereits heute zu 100% regenerativen Ursprungs, wobei der größte Anteil von den bereits seit Jahrzehnten bestehenden Wasserkraftwerken geleistet wird. Bei der Gründung im Jahr 1923 deutet bereits der Name des Unternehmens – Kärntner Wasserkraftwerke AG – darauf hin. Obwohl die Voraussetzungen für Windkraft direkt in Kärnten eher als mäßig zu beurteilen sind, engagiert sich die KELAG auch mit eigenen Windkraftanlagen in Gesamt-Österreich sowie imAusland. Die Versorgung der KELAG-Kunden fordert dennoch nach wie vor einen Strommix aus eigener Erzeugung und internationalen Zukäufen, wodurch Anteile aus Kohleverstromung etc. in den Strommix mit einfließen.

Über das Kompetenzzentrum E-Mobilität

Standort:

Kirchengasse 104

9020 Klagenfurt

(rs/10-2018)